Grafik: Abstrakte Figuren mit Glaskugeln, verbunden durch eine Linie, als Sinnbild für verschiedene Forscherstimmen zu NMN

Was sagen Altersforscher über NMN? Fünf Stimmen im Überblick

Stand: Oktober 2026 · Lesezeit ca. 4 Minuten

Kaum ein Molekül wird in der Longevity-Szene so viel diskutiert wie NMN – doch die Forscher selbst sind sich alles andere als einig. Wir stellen fünf bekannte Stimmen vor und zeigen, welche Mengen in Studien untersucht wurden.

Das Wichtigste in Kürze

  • Einig sind sich die meisten Forscher: NAD+ ist für unsere Zellen unverzichtbar und sinkt mit dem Alter in mehreren Geweben.
  • Gut belegt ist bisher vor allem, dass NMN in Humanstudien den NAD+-Spiegel im Blut erhöht. Ob das etwas am Altern ändert, ist offen.
  • Untersucht wurden meist 250 bis 1.000 mg pro Tag über einige Wochen. Die EFSA hat bis 300 mg pro Tag als sicher bewertet.
  • Mehrere bekannte Stimmen haben wirtschaftliche Verbindungen zu Unternehmen.

1. Shin-ichiro Imai – der Pionier

Washington University, St. Louis (USA) · optimistisch, aber vorsichtig

Imai zeigte schon im Jahr 2000, dass ein mit Langlebigkeit verbundenes Hefe-Protein nur mit NAD funktioniert – ein Startpunkt der heutigen NMN-Forschung. 2016 berichtete sein Labor, dass Mäuse mit NMN im Trinkwasser im Alter aktiver blieben und weniger zunahmen, allerdings nur ältere Tiere.

Auch an Humanstudien war Imai beteiligt: Bei 25 Frauen mit Prädiabetes reagierte die Muskulatur nach zehn Wochen mit 250 mg NMN täglich empfindlicher auf Insulin. Studienleiter Samuel Klein hielt klinische Empfehlungen trotzdem für verfrüht. In einer weiteren Studie mit älteren Männern mit Diabetes brachte dieselbe Menge über 24 Wochen keine Verbesserung von Griffkraft oder Gehtempo.

2. David Sinclair – der bekannteste Optimist

Harvard Medical School (USA) · sehr optimistisch

Der Harvard-Genetiker ist das bekannteste Gesicht der Longevity-Forschung und hält das Altern für grundsätzlich behandelbar. In einer Langzeitstudie seines Labors setzte bei Mäusen mit NMN die Gebrechlichkeit später ein, weibliche Tiere lebten im Mittel 8,5 Prozent länger. Die Arbeit erschien 2024 zunächst als Preprint, also noch ohne unabhängige Begutachtung.

Öffentlich erzählt Sinclair, dass er selbst seit Jahren 1 Gramm NMN pro Tag nimmt – mehr als dreimal so viel wie die Menge, die die EFSA bewertet hat. Das ist seine persönliche Entscheidung, keine Studienempfehlung. Kritiker werfen ihm vor, Tierdaten zu weitreichend zu deuten. Zudem hat er ein Unternehmen mitgegründet, das NMN-Wirkstoffe als Arzneimittel entwickelt.

3. Charles Brenner – der kritische NAD-Experte

City of Hope, Kalifornien (USA) · skeptisch

Brenner entdeckte 2004, dass NR, ein enger Verwandter von NMN, eine Vorstufe von NAD ist. Er betont, wie zentral NAD für den Stoffwechsel ist, hält NR, NMN und NAD+ aber nicht für Langlebigkeitsmittel – solche Mittel gebe es schlicht nicht. Als verlässlichsten Weg zu gesundem Altern nennt er Bewegung und gute Ernährung. Gut zu wissen: Brenner berät den NR-Hersteller ChromaDex (heute Niagen Bioscience).

4. Michael Ristow – die Stimme aus Berlin

Charité – Universitätsmedizin Berlin · zurückhaltend

Der Charité-Forscher erkennt an, dass NMN den NAD-Spiegel im Blut anhebt. Ob es auch in Herz- oder Gehirnzellen ankommt, sei aber unbekannt. Weil die meisten Studien nur wenige Wochen liefen, nennt er die Datenlage „eher enttäuschend“.

5. Andrea Maier – für den individuellen Blick

National University of Singapore · abwägend

Maier war Co-Autorin einer Studie mit 80 gesunden 40- bis 65-Jährigen, die 60 Tage lang 300, 600 oder 900 mg NMN täglich oder ein Placebo erhielten. In allen NMN-Gruppen stiegen der NAD-Spiegel im Blut und die Gehstrecke im Sechs-Minuten-Test – am stärksten bei 600 und 900 mg. Beim NAD-Spiegel gab es zwischen diesen beiden Mengen keinen Unterschied. Mitfinanziert wurde die Studie von zwei NMN-Herstellern.

Trotzdem hält Maier NMN nicht für jeden für wichtig und misst in einer laufenden Studie zuerst den individuellen NAD+-Spiegel. Langzeitdaten zur Sicherheit fehlen aus ihrer Sicht noch.

Welche Mengen wurden untersucht?

Studie Menge und Dauer Ergebnis
Yoshino 2021: 25 Frauen mit Prädiabetes 250 mg täglich, 10 Wochen Muskel reagierte empfindlicher auf Insulin
Akasaka 2023: 14 ältere Männer mit Diabetes 250 mg täglich, 24 Wochen Keine Verbesserung von Griffkraft und Gehtempo
Yi 2023: 80 Gesunde, 40–65 Jahre 300, 600 oder 900 mg täglich, 60 Tage NAD+ im Blut und Gehstrecke gestiegen
Christen 2026: rund 65 Gesunde 1.000 mg täglich, 14 Tage NAD+ im Blut gestiegen, ähnlich wie bei NR

Die EFSA hat 2026 NMN in Nahrungsergänzungsmitteln bis 300 mg pro Tag für Erwachsene als sicher bewertet, ausgenommen Schwangere und Stillende. Größere Mengen waren nicht Teil dieser Bewertung. Eine EU-Zulassung steht noch aus, eine offizielle Verzehrempfehlung gibt es deshalb nicht. Mehr dazu in NMN und Novel Food in Deutschland.

Fazit

Einig sind sich die Forscher, dass NAD+ wichtig ist und im Alter abnimmt. Uneinig sind sie, ob NMN beim Menschen messbar etwas am Altern ändert – dafür fehlen große Langzeitstudien. Viele Stimmen haben zudem wirtschaftliche Interessen. Das gilt auch für uns: Nuvalio verkauft NMN. Deshalb verlinken wir alle Quellen. Wie NAD+ in der Zelle arbeitet, erklären wir in Zellenergie einfach erklärt.

Häufige Fragen

Welche Mengen NMN wurden in Studien untersucht?

Meist zwischen 250 und 1.000 mg pro Tag, über einige Wochen bis wenige Monate. Die EFSA hat bis 300 mg pro Tag für Erwachsene als sicher bewertet.

Gibt es Langzeitstudien mit NMN am Menschen?

Bisher nicht. Langzeitdaten zur Sicherheit und zu möglichen Effekten fehlen noch.

Quellen

  • Imai S. et al. (2000): Transcriptional silencing and longevity protein Sir2 is an NAD-dependent histone deacetylase. Nature 403, 795–800.
  • Mills K. F. et al. (2016): Long-Term Administration of Nicotinamide Mononucleotide Mitigates Age-Associated Physiological Decline in Mice. Cell Metabolism 24(6), 795–806
  • Yoshino M. et al. (2021): Nicotinamide mononucleotide increases muscle insulin sensitivity in prediabetic women. Science
  • Akasaka H. et al. (2023): Effects of nicotinamide mononucleotide on older patients with diabetes and impaired physical performance. Geriatrics & Gerontology International 23, 38–43.
  • Kane A. E. et al. (2024): Long-term NMN treatment increases lifespan and healthspan in mice in a sex dependent manner. Preprint, bioRxiv
  • Apotheken Umschau: NMN – was steckt hinter dem Hype um das Longevity-Supplement? (aktualisiert Februar 2026). apotheken-umschau.de
  • National Geographic: What is NAD+? (Interview mit Charles Brenner). nationalgeographic.com
  • Yi L., Maier A. B. et al. (2023): The efficacy and safety of β-nicotinamide mononucleotide (NMN) supplementation in healthy middle-aged adults. GeroScience 45(1), 29–43
  • NutraIngredients (November 2025): NMN personalization – Professor Andrea Maier on ingredient research for healthspan. nutraingredients.com
  • Christen S. et al. (2026): The differential impact of three different NAD+ boosters on circulatory NAD and microbial metabolism in humans. Nature Metabolism 8, 62–73
  • EFSA NDA Panel (2026): Safety of beta-nicotinamide mononucleotide (β-NMN) pursuant to Regulation (EU) 2015/2283. EFSA Journal 24(5), e10007
  • Janssens G. E. et al. (2022): Healthy aging and muscle function are positively associated with NAD+ abundance in humans. Nature Aging 2, 254–263

Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich der allgemeinen Information über den Stand der Forschung. Die genannten Mengen geben Studienbedingungen, die EFSA-Bewertung oder Aussagen der genannten Personen wieder. Sie stellen keine Empfehlung zum Verzehr, zur Dosierung oder zur Anwendung dar.

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